„Läuft doch und kostet nichts“? Was eine Altanwendung wirklich kostet
Im Budget steht die Altanwendung mit null, doch sie kostet jeden Monat. Die versteckten Kosten, wann sich Modernisierung lohnt und wann man sie lassen sollte.
Vlado Pandžić · Gründer · Senior .NET-Architekt
Veröffentlicht · 4 Min. Lesezeit
Im Budget eines Unternehmens steht die alte Geschäftsanwendung meist mit null. Keine Lizenz, kein Projekt, kein Posten. Sie läuft seit Jahren, und niemand fasst sie an.
Aber dass es keinen Posten gibt, heißt nicht, dass sie nichts kostet. Die Kosten sind nur auf andere Stellen verteilt: auf Entwicklerstunden, auf Ausfälle, auf Leute, die um sie herum arbeiten. Niemand zählt sie zusammen, also sieht sie niemand.
Wo sich die Kosten verstecken
- Langsamere Änderungen. Jede neue Funktion dauert doppelt so lange wie nötig, weil sich niemand traut, den Code anzufassen, und jede Änderung etwas kaputt macht. Warum das so ist, steht im Artikel über technische Schulden.
- Ausfälle und Feuerwehreinsätze. Die Anwendung steht, das halbe Unternehmen wartet, und eine Person sucht den Fehler.
- Manuelle Umwege. Was die Anwendung nicht kann, machen Leute von Hand: nach Excel exportieren, abtippen, prüfen.
- Alte Server, Lizenzen und Fernzugriff. Hardware, die nicht abgeschaltet werden darf, verlängerte Sicherheitsupdates, Citrix fürs Homeoffice. Zu den Fristen, die näher rücken, steht mehr im Artikel über Windows Server 2016.
- Abhängigkeit von einer Person. Nur eine Person weiß, wie alles funktioniert. Solange sie da ist, sieht man die Kosten nicht. Wenn sie geht, sieht man sie auf einmal, wie im Artikel über die Übernahme einer Anwendung.
- Sicherheit. Altes .NET Framework, alte Pakete, Passwörter in Konfigurationsdateien. Die Kosten sind null, bis etwas passiert.
Eine Rechnung am Beispiel
Ein Beispiel, kein Versprechen: ein Unternehmen mit einer alten Geschäftsanwendung, die täglich rund fünfzehn Leute nutzen.
| Posten | Wie im Beispiel gerechnet | Pro Jahr |
|---|---|---|
| Langsamere Änderungen | 30 zusätzliche Entwicklungstage zu 400 € | 12.000 € |
| Ausfälle und Feuerwehreinsätze | 6 Ausfälle × 4 Stunden × 15 Leute × 25 € | 9.000 € |
| Manuelle Umwege | 5 Stunden pro Woche × 46 Wochen × 25 € | 5.750 € |
| Alter Server, Lizenzen, Fernzugriff | Hardware, Updates, Citrix | 3.000 € |
| Gesamt | fast 30.000 € | |
| Abhängigkeit von einer Person | unsichtbar, bis diese Person geht | Risiko |
| Sicherheitsvorfall | unsichtbar, bis er passiert | Risiko |
Die Anwendung, „die nichts kostet“, kostet in diesem Beispiel fast 30.000 € im Jahr, und das ohne zwei Posten, die teurer werden können als alle anderen zusammen.
Wann sich Modernisierung lohnt und wann nicht
Fairerweise gehört auch das dazu: Manche Altanwendungen sollte man in Ruhe lassen.
| Entscheidung | Wann sie sinnvoll ist |
|---|---|
| So lassen, wie sie ist | Sie ist stabil, ändert sich selten, wenige Leute nutzen sie, und sie hängt nicht am Internet |
| Schrittweise modernisieren | Sie ist geschäftskritisch, ändert sich oft, und viele Leute nutzen sie |
| Durch ein Standardprodukt ersetzen | Der Prozess ist Standard (CRM, Lohn, Buchhaltung), und Ihre Anwendung bringt darin nichts Besonderes |
Die Rechnung ist dieselbe wie bei jeder Investition. Halbiert eine Modernisierung die versteckten Kosten aus dem Beispiel, sind das rund 15.000 € im Jahr. Eine Modernisierung für 30.000 € hat sich nach zwei Jahren amortisiert, danach bleibt die Einsparung, bei geringerem Risiko.
Modernisieren heißt nicht, alles neu zu schreiben. Der sicherste Weg ist fast immer schrittweise: zuerst der Umstieg auf aktuelles .NET, dann Stück für Stück. Wie das bei Desktop-Anwendungen aussieht, steht im Artikel über WinForms- und WPF-Anwendungen im Web.
So kommen Sie zu Ihren eigenen Zahlen
- ÄnderungenSchätzung gegen tatsächliche Dauer
- AusfälleWie lange und wie viele Leute
- HandarbeitStunden pro Woche rund um die App
- LeuteWer weiß, wie sie funktioniert
Notieren Sie einen Monat lang vier Dinge:
- Änderungen. Für jede Änderung, wie lange sie geschätzt war und wie lange sie tatsächlich gedauert hat.
- Ausfälle. Jedes Mal, wenn die Anwendung steht: wie lange, und wie viele Leute nicht arbeiten konnten.
- Handarbeit. Wie viele Stunden pro Woche Leute etwas von Hand machen, weil die Anwendung es nicht kann.
- Leute. Wer weiß, wie die Anwendung funktioniert. Ist die Antwort eine Person, ist das Ihr größter Posten.
Nach einem Monat haben Sie Ihre eigene Tabelle, und die Entscheidung ist kein Gefühl mehr, sondern eine Zahl.
Wie wir arbeiten
Genau das machen wir: Wir sehen uns die alte .NET-Anwendung an, stellen eine Rechnung auf, was sie Sie heute kostet, und empfehlen eine der drei Entscheidungen. Lohnt sich die Modernisierung, machen wir sie schrittweise, Stück für Stück, ohne Ausfall, mit Blazor und aktuellem .NET. Und wenn sie sich nicht lohnt, sagen wir Ihnen auch das. Der erste Schritt ist ein kostenloses 30-minütiges Gespräch.
Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information und ist keine Rechts-, Steuer-, Finanz- oder sonstige Fachberatung. Szenarien, Beispiele und Berechnungen dienen der Veranschaulichung. Nutzungsbedingungen und Haftungsausschluss.